Privates Kultur- und Geschichtsprojekt. Keine Verbindung zum Eigentümer von Schloss Ramholz.
Detail der Fassade von Schloss Ramholz mit Fachwerkgiebel, Steinerker, Schornsteinen und Uhrturm

Kunstsammlung

Picasso in der Rhön

Im Haushalt des Ramholzer Rentmeisters entstand eine Sammlung klassischer Moderne. Ein Werk daraus hängt heute im Kunstmuseum Basel, ein anderes verschwand 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“.

Felix Muche übernahm 1901 die Rentmeisterstelle des Gutes Ramholz, also die wirtschaftliche und finanzielle Verwaltung, und behielt sie bis zur Pensionierung. Sein Sohn Georg Muche wuchs in Ramholz auf, ging 1913 nach München und 1915 nach Berlin, wurde Ausstellungsassistent Herwarth Waldens in der Galerie Der Sturm und 1919 auf Betreiben Lyonel Feiningers der jüngste Formmeister am Bauhaus.

Aus dieser Konstellation entstand die Sammlung. Der Vater unterstützte den Sohn beim Erwerb von Werken zeitgenössischer Künstler, und der Sohn saß an der Quelle. Ab 1917 löste sich in der Galerie Der Sturm die Sammlung des Großsammlers Franz Kluxen auf, eines der frühesten Picasso-Käufer und wichtigsten Förderer Marc Chagalls. Im August 1917 zeigte Der Sturm sechzig Werke aus der Sammlung Kluxen; die Verkäufe liefen über Jahre. Ramholz war einer der Abnehmer.

Werkliste

Was belegt ist

Pablo Picasso, Der Dichter, 1912

belegt

Die Provenienzliste des Kunstmuseums Basel nennt für 1917 Felix Muche-Ramholz als Eigentümer, angekauft aus der Sammlung Kluxen. Davor Galerie Kahnweiler in Paris, 1913 bei Thannhauser in München gezeigt, dann Franz Kluxen. Danach Galerie Rosengart in Luzern, am 22. Mai 1931 an Emanuel und Maja Hoffmann-Stehlin in Basel, 1967 als Schenkung Maja Sacher-Stehlins an die Einwohnergemeinde Basel. Seither Depositum im Kunstmuseum Basel.

Jean Metzinger, En Canot, auch Im Boot, 1913

verschollen

Öl auf Leinwand, 146 mal 114 Zentimeter. 1916 von Georg Muche bei Herwarth Walden in der Galerie Der Sturm erworben. Ab 1927 im Kronprinzenpalais der Berliner Nationalgalerie, um 1936 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, 1937 in München in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und im Katalog auf Seite 23 abgebildet. Seither verschollen, möglicherweise vernichtet.

Fünf Glasnegative, um 1925

zu prüfen

Ein französischer Antiquar bietet fünf Glasplatten im Gelatino-Bromsilber-Verfahren an, Format 130 mal 178 Millimeter, bezeichnet als Dokumentation der Sammlung von Georg Muche und seinem Vater Felix Muche-Ramholz. Abgebildet sind zwei Werke Kandinskys, eine Komposition Picassos mit dem Titel „Pierre Loti“, ein Klee mit dem Titel „Der Traum“ und ein Franz Marc mit dem Titel „Blaues Lamm“. Die Titel stammen aus der Händlerbeschreibung und sind gegen die Werkverzeichnisse noch nicht geprüft.

Was offen bleibt

Der Umfang der Sammlung ist unbekannt. Ebenso, ob die Werke in Ramholz hingen oder in Georg Muches Berliner Wohnung; beim Metzinger ist der Erwerber ausdrücklich der Sohn, und das Bild befand sich ab 1927 in Berlin. Die verbreitete Formulierung, in Ramholz sei eine Sammlung entstanden, ist für dieses Werk nicht gedeckt. Offen ist auch, was beim Tod Felix Muches 1947 noch vorhanden war und wohin die Werke von Kandinsky, Marc, Feininger, Chagall und Klee gelangten. Das einzige publizierte Verzeichnis ist das Kapitel „Picasso in der Rhön“ bei Ludwig Steinfeld, 1993.

Felix Ramholz

Der Sonntagsmaler

Im fortgeschrittenen Alter griff Felix Muche selbst zum Pinsel. Sein erstes sicher datierbares Bild von 1924 trägt den Titel „Der Sonntagsmaler“ und zeigt ihn mit Staffelei auf einer Wiese in Ramholz; es ist noch mit „Felix M.“ signiert. Später zeichnete er als Felix Muche-Ramholz oder Felix Ramholz. Rund 65 Gemälde sind bekannt.

Aus einer konventionellen Form der naiven Malerei entwickelte er, vor allem in der Personendarstellung, einen eigenen, hintergründig ironischen Stil, auf den die Bezeichnung naiv nicht mehr genau passt. Bekannt wurden vor allem seine Selbstporträts und Eheszenen.

Einzelausstellungen hatte er 1966 im Schloss Fulda, 1993 in der Galerie der Sparkasse Schlüchtern und 1993 im Vonderau Museum Fulda. Vertreten war er unter anderem 1959 auf der Darmstädter Mathildenhöhe, 1964 in der Residenzgalerie Salzburg und im Kunstverein Oldenburg, 1981 in Böblingen, 1983 im Museum of Contemporary Art in Chicago und 1991 im Museum of Naive Art in Bath.

Eine Dauerausstellung mit seinen Werken zeigt das Bergwinkel-Museum in Schlüchtern im zweiten Obergeschoss. 2018 kam dort eine Sonderausstellung zu seiner privaten Welt hinzu, mit dem Original-Malkasten, persönlichen Fotografien und Dokumenten, als Leihgaben von Familien aus Ramholz und Schlüchtern.

Ein Gutsverwalter aus dem Bergwinkel, dessen Bilder es ins Museum of Contemporary Art in Chicago geschafft haben, und dessen Sammlung einen Picasso enthielt, der heute in Basel hängt.

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