Privates Kultur- und Geschichtsprojekt. Keine Verbindung zum Eigentümer von Schloss Ramholz.
Schräge Gesamtansicht von Schloss Ramholz mit Uhrturm und Volutengiebel im Gegenlicht

Besitzerfolge

Acht Jahrhunderte

Ramholz wechselte selten den Besitzer, und wenn, dann in großen Sprüngen. Zwischen der ersten Erwähnung und dem Verkauf des Jahres 2014 liegen achteinhalb Jahrhunderte und sechs Familien.

  1. 1167

    Der Herrenhof

    Erste Erwähnung als curia derer von Steckelberg. Der Sitz liegt an derselben Stelle, an der heute das Schloss steht.

  2. 1482

    Die von Hutten

    Die Anlage gelangt an die Familie von Hutten. Auf dem benachbarten Steckelberg wird 1488 Ulrich von Hutten geboren, der Humanist und Streitschriftsteller der Reformationszeit.

  3. 1501

    Das Alte Schloss

    Als Wohnsitz der Familie entsteht ein neues Gebäude, das Huttenschloss. Es ist bis heute als Teil der Gesamtanlage erhalten, erkennbar an Staffelgiebeln und Treppenturm.

  4. 1642

    Verpfändung

    Philipp Daniel von Hutten, der alle huttischen Güter besitzt, wird durch eine von Krieg und Pest verursachte Notlage gezwungen, die adeligen Wohnungen in Ramholz und Vollmerz an seinen Schwager Casimir Carl von Landas zu verpfänden.

  5. 1677

    Über die Landas zu den Degenfeld

    Die Pfandschaft geht an Amalie von Landas über, verheiratet mit Maximilian Freiherr von Degenfeld. Wegen der Abgelegenheit verwalten in der Folge überwiegend Vögte und Amtmänner die Herrschaft.

  6. 1852

    Ysenburg-Büdingen

    Das Haus Ysenburg erwirbt Ramholz von den Söhnen des Generals Friedrich Christoph von Degenfeld-Schonburg, deren Familie es seit 1698 durch Erbschaft von den Hutten besaß. So Hans Dorn und Walter Dörr; die Angabe 1790 mit 1.800 Hektar findet sich nur in der Wikipedia.

  7. 1883

    Hugo von Stumm

    Der saarländische Industrielle und Rittmeister Hugo Rudolf von Stumm erwirbt die Herrschaft samt der Ruine Steckelberg; er hatte Ramholz während eines Manövers kennengelernt. Seine erste Einstellung ist der Obergärtner Felix Schnetzer, der ab Weihnachten 1883 in Ramholz arbeitet. Das Gut umfasst rund 979 Hektar.

  8. 1887

    Der Sturz

    Im Herbst stürzt Hugo von Stumm vom Pferd und erleidet eine schwere Gehirnerschütterung mit längerer Bewusstlosigkeit; nach Hans Dorn erholt er sich davon nie. Im selben Jahr wird das Forsthaus als erstes Gebäude im Park fertig, und in Würzburg stirbt der Gartenkünstler Lindahl.

  9. 1888

    Die Kuratel

    Nach einem Krankheitsschub entmündigt das Amtsgericht Schlüchtern den Eigentümer. Vormund wird sein Bruder Ferdinand, damals deutscher Botschafter in Madrid. Die Bindung besteht bis zu Hugo von Stumms Tod, also über die gesamte Bauzeit des Schlosses.

  10. 1889

    Die Entscheidung

    Der Standort auf der Breiten Wiese wird wegen instabilen Untergrunds aufgegeben. Das Schloss soll an das Huttenschloss angelehnt werden, das Portal auf der Achse zur Steckelburg liegen. Das Berliner Büro Kyllmann und Heyden fertigt einen Gesamtlageplan.

  11. 1893-1896

    Der Neubau

    Nach mehrfachem Architektenwechsel werden die Pläne des Marburger Universitätsbaumeisters Carl Schäfer ausgeführt, überarbeitet von Gabriel und Emanuel von Seidl. Der Rohbau steht in Rekordzeit, am 25. September 1895 weht die Fahne auf dem Turm. Dazu Wirtschaftshof, Wohnhäuser für die Angestellten, Schwesternheim und ein Maschinenhaus.

  12. 1896

    Coswig

    Hugo von Stumm wird in die Nervenheilanstalt Lindenhof bei Dresden gebracht und kehrt nicht zurück. In seinem neuen Schloss war er nach den Forschungen von Horst Becker vermutlich nur ein- oder wenige Male. Ludovica von Stumm führt nun Ramholz, der Vormund regelt die Finanzierung.

  13. 1901-1905

    Die Gruftkapelle

    Statt des monumentalen Mausoleums, das Gabriel von Seidl 1894 entworfen hatte, lässt Ludovica von Stumm eine kleinere Gruftkapelle im Wald bauen, wieder nach Seidls Plänen, mit einem Fresko von Otto Hupp. Hugo und Ludovica von Stumm und ihr Sohn ruhen dort.

  14. 1910

    Die Erbin

    Nach dem Tod des Bauherrn geht Ramholz an seine Tochter Margarete. Der Park ist in seinen Grundzügen fast fertig; Schnetzer vollendet ihn gemeinsam mit der Witwe. Da ihr Bruder vor dem Vater starb, erhebt der Kaiser sie 1913 aus eigenem Recht in den preußischen Freiherrnstand.

  15. 1917

    Ein Erbe von acht Monaten

    Margarete stirbt mit 33 Jahren. Erbe wird ihr Sohn Knut, geboren im Oktober 1916. Sechs Wochen nach ihrem Tod wird ihr Mann Richard von Kühlmann Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.

  16. 1933-1945

    Eine Leerstelle

    Für diese zwölf Jahre gibt es zu Ramholz keine Darstellung. Die Lokalliteratur überspringt sie vollständig. Ob das Gut Zwangsarbeiter einsetzte, wer es führte und wie das Kriegsende verlief, ist ungeklärt.

  17. 1939

    Das Ende der Bindung

    Zum 1. Januar erlöschen reichsweit alle Fideikommisse. Das Auflösungsverfahren für Ramholz fällt damit in die Kriegsjahre.

  18. 1948

    Europa in Schlüchtern

    Am 24. Oktober wird in der Klosteraula Schlüchtern die erste Europäische Akademie Deutschlands gegründet. Ramholz ist nach bisheriger Angabe Ort des Empfangs am Vorabend.

  19. 1960er

    Der Park wird offen

    Knut von Kühlmann-Stumm öffnet den zuvor nur ausnahmsweise zugänglichen Park ganzjährig für die Bevölkerung.

  20. 1974

    Das Ende des Konzerns

    Am 25. Oktober beantragen die Stumm AG und zwei Tochtergesellschaften Vergleich, nach einer Ölspekulation und verschleierter Zahlungsunfähigkeit. Damit entfällt das Vermögen, aus dem Ramholz seit 1883 unterhalten wurde. Knut von Kühlmann-Stumm, mit 10 Prozent größter Einzelanteilseigner der Familie, hatte den Aufsichtsrat sieben Wochen zuvor verlassen. Zur Konzerngeschichte

  21. 1977

    Der Rechner übernimmt

    Nach Knuts Tod am 19. Januar übernimmt sein zweiter Sohn Magnus, Ökonom aus St. Gallen, die Verwaltung. Eigentümerin wird bis 1997 die Witwe Jutta von Kühlmann Freifrau von Stumm-Ramholz, geborene von Ramin (1918-2012), die Ramholz bereits Ende der 1950er Jahre verlassen hatte.

  22. 1979

    Die Kiste bleibt

    Der Stern besucht Ramholz für seine Serie über den Adel in Deutschland und liefert die einzige zeitgenössische Innenansicht des Hauses. Magnus von Kühlmann nennt das Schloss einen „Klotz am Bein“ und will es trotzdem halten.

  23. 1995

    Der Förderkreis

    Gründung des Förderkreises Schlosspark Ramholz e.V. durch den Landschaftsarchitekten Hans Dorn. Er lässt den Hutten-Pavillon sanieren und reicht 2003 Vorschläge zur Abgrenzung des Gartendenkmals ein.

  24. ab 2000

    Teilverkäufe

    Unter Magnus von Kühlmann (1944-2008) werden zur Entschuldung große Teile der Ländereien und der dritte Parkabschnitt mit allen Gebäuden veräußert. Die Einnahmen aus dem Forstbetrieb entfallen.

  25. 2012

    Zwangsverwaltung

    Auf Betreiben einer Gläubigerbank setzt das Amtsgericht Gelnhausen einen Zwangsverwalter ein. Das Schloss wird für sieben Millionen Euro angeboten und für kurze Zeit durch Führungen zugänglich gemacht.

  26. 2014

    Der Verkauf

    Nach achteinhalb Jahren am Markt geht das Anwesen mit Gutshof, Orangerie und Ländereien an einen Unternehmer aus Shanghai. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Fideikommiss

Hugo von Stumms Testament band den Besitz. Diese Bindung erlosch mit dem Reichsgesetz vom 6. Juli 1938 zum 1. Januar 1939 wie alle Fideikommisse. Dasselbe Gesetz ermächtigte jedoch die Fideikommiss-Senate der Oberlandesgerichte, Gegenstände und Sachgesamtheiten von besonderem künstlerischem oder geschichtlichem Wert im Einzelfall dauerhaft zu sichern. Genau so lässt sich erklären, dass 2012 die Kunstschätze des Schlosses noch unverkäuflich waren, obwohl der Fideikommiss seit über siebzig Jahren nicht mehr bestand.

Weiß verputzter Bau mit Staffelgiebel und rot-weiß gestreiften Klappläden in Ramholz
Der weiß verputzte Bau mit Staffelgiebel und rot-weiß gestreiften Läden. Staffelgiebel und Treppenturm sind die Merkmale, die die Literatur dem Huttenschloss von 1501 zuschreibt.